1922: Ein Holzgleiter namens Goldkiste – und die Geburt eines der ältesten Segelflugvereine Deutschlands

1922: Ein Holzgleiter namens Goldkiste – und die Geburt eines der ältesten Segelflugvereine Deutschlands

Der Flugsportclub Pforzheim und Straubenhardt e.V. – kurz FSC-Pforzheim – zählt zu den ältesten Segelflugvereinen Deutschlands. Gegründet 1922, überlebt er Weltkrieg, Besatzung und Neugründung. Heute fliegen rund 40 aktive Piloten auf dem Segelfluggelände Schwann-Conweiler, gut 13 Kilometer südwestlich von Pforzheim – reiner Windenstart, zwei Grasbahnen, kein Motorlärm. Was dieser Verein in hundert Jahren erlebt hat, liest sich wie ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte.

Inhalt

Segelflugzeug über grüner Landschaft bei Sonnenschein, blauer Himmel mit weißen Wolken
Fliegen, die pure Lust nach Freiheit


Die „Goldkiste" und die Anfänge (1922)

Es ist das Jahr 1922. Im Pfälzer Hof in Pforzheim treffen sich Männer mit einem gemeinsamen Traum. Kein Geld, kein Flugplatz, kein Verband – nur Pioniergeist und ein Nebengebäude der Erbprinzenschule, in dem sie ihren ersten Gleiter bauen: die „Goldkiste", ein Typ S12.

Der Erstflug auf dem Rittern bei Mühlhausen war mehr Improvisation als Technik. Der Schwerpunkt stimmte nicht, also setzte die Crew kurzerhand einen Jungen auf ein Holzbrett hinter den Piloten – vierzig bis fünfzig Kilo lebendiger Ballast. So hob die Goldkiste ab.

Der erste ernsthafte Unfall ließ nicht lange auf sich warten: eine Windböe auf dem Büchelberg, ein Oberschenkelbruch. Der Verein steckte es weg. 1923 und 1924 startete der „Geheimrat" bei den Rhönwettbewerben – damals das wichtigste Segelflug-Treffen Deutschlands, ausgerichtet vom heutigen Deutschen Aero Club (DAeC). 1925 transportierte das dritte Vereinsflugzeug, intern „Hol's der Teufel" genannt, die erste Luftpost von Neuhausen-Büchelberg nach Hausen im Würmtal. Das war kein Hobby. Das war Ernsthaftigkeit in Holz und Leinwand.

Krieg, Verbot, Neustart

1939 verlor der Verein seine Selbstständigkeit. Staatliche Verwaltung übernahm, Jugendliche lernten fliegen in der Flieger-HJ, auf dem SG38. Das Vereinsheim auf dem Rittern wurde 1945 von französischen Truppen dem Erdboden gleichgemacht. Nichts blieb übrig.

Und doch: Ab 1948 trafen sich wieder Flieger. Erst zum Modellbau – fliegen war verboten. Mit der Aufhebung des Flugverbots 1951 folgte die förmliche Neugründung. Oberbürgermeister Dr. Brandenburg taufte den Schulgleiter „Pforzheim II" auf dem Turmplatz. Ein symbolischer Akt – und der Startschuss für alles, was danach kam.

Wie das Segelfluggelände Schwann-Conweiler entstand

Das große Projekt begann 1959. Kurt König, Günter Faass und Dieter Vischer gingen von Haus zu Haus – Grundstückseigentümer in Schwann und Conweiler überzeugend, ihren Boden für einen Flugplatz herzugeben. Ende 1961 waren die Verträge unterschrieben. 1962 nahm der Flugbetrieb auf.

Das Gelände liegt heute etwa 13 Kilometer südwestlich von Pforzheim, am nördlichen Rand des Schwarzwaldes. Zwei Grasbahnen, je 250 Meter, in den Richtungen 09 und 24. Reiner Segelflugbetrieb, ausschließlich Windenstart – so pur, wie es geht. Zugelassen und gelistet beim Deutschen Segelflugverband (DSV).

Der FSC-Pforzheim heute – Verein, Flotte, Betrieb

Rund 40 aktive Mitglieder fliegen heute beim FSC-Pforzheim, dazu kommen Passive und Fördernde. Die Flotte umfasst sieben Flugzeuge: drei Doppelsitzer, zwei Holz- und zwei Kunststoff-Leistungseinsitzer. Fünf ehrenamtliche Fluglehrer sorgen für eine durchgehende Ausbildung.

Merkmal Details
Gründung1922 (Neugründung 1951)
Aktive Mitgliederca. 40
Flugzeuge7 (3 Doppelsitzer, 4 Einsitzer)
Fluglehrer5 (ehrenamtlich)
StartartWindenstart
Bahnen2 × 250 m Gras, Richtung 09 / 24
SaisonApril – Oktober, Wochenenden & Feiertage, 9–19 Uhr

Segelflugausbildung und PPL-C beim FSC-Pforzheim

Die Ausbildung gliedert sich in vier Abschnitte: A, B, C und die PPL-Prüfung. Nach dem A-Teil folgt der erste Alleinflug – einer der Momente, die Piloten selten vergessen. Danach kommen präzise Kurvenflüge, Ziellandungen, Slips, schließlich das Überlandfliegen. Wer konsequent dabeibleibt, hält den Segelflugschein (PPL-C) im zweiten oder dritten Jahr nach dem ersten Schulstart in den Händen.

Fünf ehrenamtliche Fluglehrer machen das möglich. Die Ausbildung entspricht den Vorgaben des Deutschen Aero Clubs (DAeC), dem Dachverband der deutschen Segelflieger.

Mehr zum Thema: Segelfliegen lernen – der komplette Guide

Anfahrt, Öffnungszeiten und Kontakt

Das Gelände liegt in Straubenhardt, Mönchstraße 40. Flugtage sind Wochenenden und Feiertage von April bis Oktober, jeweils 9 bis 19 Uhr. Wer vorher Fragen hat, erreicht das Clubheim unter 07082 / 6575. Alle weiteren Infos direkt beim Verein: FSC-Pforzheim Kontaktseite

Flugsportclub Pforzheim und Straubenhardt e.V.
Mönchstraße 40, Straubenhardt
Postfach 553, 75105 Pforzheim
Tel.: 07082 / 6575

Mehr zum Thema

FAQ – FSC-Pforzheim

Wann wurde der FSC-Pforzheim gegründet?

1922, im „Pfälzer Hof" in Pforzheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1951 die Neugründung.

Wo liegt das Segelfluggelände Schwann-Conweiler?

In Straubenhardt, Mönchstraße 40 – etwa 13 km südwestlich von Pforzheim, am nördlichen Rand des Schwarzwaldes.

Welche Startart wird genutzt?

Ausschließlich Windenstart, auf zwei Grasbahnen à 250 Meter in den Richtungen 09 und 24.

Wie lange dauert die Segelflugausbildung?

Den PPL-C kannst du im 2. bis 3. Jahr nach dem ersten Schulstart erwerben – abhängig von Fleiß, Frequenz und Wetterlage.

Ist der FSC-Pforzheim Mitglied im DAeC?

Ja. Der Verein ist im Deutschen Aero Club (DAeC) organisiert.

Wann hat das Gelände geöffnet?

Von April bis Oktober, an Wochenenden und Feiertagen, jeweils 9 bis 19 Uhr.



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