Segelflugzeug Hersteller: Die wichtigsten Marken im Überblick (2026)

Wer sich näher mit dem Segelfliegen beschäftigt, stößt früher oder später auf eine überschaubare Zahl an Namen, die den Markt prägen. Ein paar deutsche und europäische Werften bauen zusammen mehr als die Hälfte aller Segelflugzeuge weltweit – daneben gibt es aber Dutzende kleinerer und spezialisierterer Hersteller, von der südafrikanischen Rennmaschine bis zum slowenischen Ultraleicht-Segler. In diesem Artikel bekommst du einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Hersteller, ihre Modellreihen und die aktuellen Entwicklungen bei Elektroantrieben und Eigenstart-Technik.


Segelflugzeug Hersteller: Die wichtigsten Marken im Überblick (2026)

Inhaltsverzeichnis

Die Marktführer: über 50 % Weltmarktanteil

Vier Werften teilen sich mehr als die Hälfte der weltweiten Segelflugzeugproduktion. Wer sich für die Grundlagen des Segelfliegens in Deutschland interessiert, wird diesen Namen auf jedem größeren Flugplatz begegnen.

Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH

Die Werft mit Sitz in Kirchheim/Teck wurde von Martin Schempp und Wolf Hirth gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Namen der Branche. Zu den bekanntesten Baureihen gehören Discus, Duo Discus, Ventus, Nimbus, Quintus, Arcus, Cirrus und Janus. Der Doppelsitzer Duo Discus gilt bei vielen Vereinen bis heute als Standardschulflugzeug für die fortgeschrittene Ausbildung.

DG Aviation GmbH

Aus dem früheren Glaser-Dirks Flugzeugbau entstanden, sitzt DG Aviation in Bruchsal – für dich als Leser aus der Region also fast vor der Haustür. Die Modellreihe reicht von der DG-100 bis zur DG-1000. Besonders interessant: Die DG-1001 gibt es wahlweise mit 17,2, 18 oder 20 Metern Spannweite, und die Variante DG-1001 RES nutzt einen elektrischen Eigenstart-Antrieb statt eines klassischen Klapptriebwerks.

Allstar PZL Glider Sp. z o.o.

Der polnische Hersteller mit Sitz in Bielsko-Biała ging aus PZL Bielsko hervor und hält Musterzulassungen für sechs SZD-Baureihen, darunter den weit verbreiteten Schulungssegler SZD-51-1 Junior. 2023 stellte das Unternehmen mit der SZD-55-2 Nexus-e-motion einen vollelektrisch angetriebenen Segler vor.

Alexander Schleicher GmbH & Co. Segelflugzeugbau


Seit 1927 fertigt die Werft auf der Wasserkuppe – dem historischen Wiegeplatz des deutschen Segelflugs – ununterbrochen Flugzeuge. Die Modellpalette reicht von den frühen Ka-Baureihen über die ASK-Schulflugzeuge bis zu den ASH- und ASG-Hochleistungsseglern. Der Open-Class-Doppelsitzer ASH 25 lässt sich mit Winglets auf eine Spannweite von 25,6 bis 26 Metern erweitern.


Die vier Marktführer im Vergleich

HerstellerSitzBekannteste ModelleBesonderheit
Schempp-HirthKirchheim/TeckDiscus, Ventus, Duo DiscusTraditionswerft seit den 1930er-Jahren
DG AviationBruchsalDG-1000, DG-1001 RESElektrischer Eigenstart bei der DG-1001 RES
Allstar PZL GliderBielsko-Biała (PL)SZD-51 Junior, Nexus-e-motionVollelektrischer Antrieb seit 2023
Alexander SchleicherPoppenhausen (Wasserkuppe)ASK 21, ASH 25, ASG-ReiheGegründet 1927, älteste aktive Werft

Für dich als angehenden Piloten oder Vereinsverantwortlichen ist diese Übersicht mehr als eine Sammlung von Firmennamen: Sie zeigt, wie stark der Markt konzentriert ist und warum Ersatzteile, Wartungsbetriebe und Gebrauchtpreise für Modelle der großen Vier meist deutlich stabiler sind als bei kleineren Nischenherstellern. Welche Modelle dieser Hersteller aktuell als besonders leistungsstark gelten, liest du in unseren Artikeln Die aktuell besten Segelflugzeuge 2026 und Die 10 besten Segelflugzeuge aller Zeiten.

Weitere bedeutende Hersteller weltweit

Jonker Sailplanes

Am Flugplatz Potchefstroom in Südafrika entwickelt Jonker seit Jahren Hochleistungssegler, die international bei Wettbewerben regelmäßig vorne mitfliegen. Die Baureihe reicht von der eingestellten JS1 Revelation bis zur aktuellen JS5 Rey in der Open Class. 2024 produzierte Jonker weltweit die meisten Segelflugzeuge eines einzelnen Herstellers.

Lange Aviation GmbH

Axel Lange gründete das Unternehmen 1996 in Zweibrücken und spezialisierte sich früh auf Elektro-Motorsegler der Antares-Reihe. Die Antares 21E erreicht mit dem RED-3-Antrieb eine Steighöhe von rund 5.600 Metern und eine Reichweite von etwa 380 Kilometern im Motorflug – ein Wert, der zeigt, wie weit die Elektrifizierung im Segelflug bereits fortgeschritten ist.

Pipistrel

Der slowenische Hersteller ist vor allem für seine leichten Motorsegler wie die Sinus-Reihe bekannt. Die Sinus Flex lässt sich durch austauschbare Flügelspitzen umbauen, bei 14,97 Metern Spannweite erreicht sie ein Gleitverhältnis von 23:1. Mit der Taurus Electro G2 bietet Pipistrel zusätzlich ein rein elektrisch angetriebenes Modell mit 54 kW Leistung an.

HPH sailplanes

Im tschechischen Kutná Hora entstehen die Glasflügel-304-Nachfolger, heute unter der Bezeichnung HPH 304 SHARK vermarktet. Neben klassischen Antrieben mit Solo- oder Binder-System bietet HPH auch FES-Elektromotoren an; 2024 kam mit der 304 RES SHARK ein rein elektrischer Eigenstartsegler hinzu.

Stemme GmbH & Co. KG

Der Hersteller aus Strausberg baute mit der S10 im Jahr 2000 einen Weltrekord im Streckensegelflug auf – bis heute ein Referenzpunkt für die S-Baureihe. Die aktuelle S15-1 (vermarktet als ECARYS ES15) ist EASA-zugelassen.

Alisport Srl und Sportine Aviacija

Das italienische Unternehmen Alisport aus Cremella baut seit den frühen 1990er-Jahren Ultraleicht-Segler der Silent-Reihe; die Silent 2 Electro nutzt einen 22-kW-Elektromotor. Der litauische Hersteller Sportine Aviacija, gegründet 1969 in Prienai, gilt als ältestes und einziges Segelflugzeugunternehmen im Baltikum und hat über 20 Typen und Modifikationen der LAK-Reihe hervorgebracht.

Bei der Recherche zu diesem Artikel ist mir ehrlich gesagt selbst aufgefallen, wie viele Hersteller es abseits der bekannten Namen gibt – von der litauischen Werft bis zum slowenischen Ultraleicht-Bauer hätte ich vorher nicht alle auf Anhieb nennen können. Mit ein paar der kleineren Hersteller bin ich für diesen Artikel per E-Mail in Kontakt gekommen, um Details zu aktuellen Modellen und Antriebskonzepten aus erster Hand zu bekommen.

Deutschland: kleinere und historische Hersteller

Neben den vier großen Namen gibt es in Deutschland eine Reihe kleinerer oder historischer Werften, die für bestimmte Modelle bis heute relevant sind:

  • Rolladen-Schneider Flugzeugbau (Egelsbach): baute die LS-Reihe (LS1, LS4, LS6, LS7, LS8), bevor das Unternehmen von DG Flugzeugbau übernommen wurde. Wenn dich die aktuellen Gebrauchtpreise interessieren, findest du dazu eine ausführliche Analyse im Artikel LS4 Segelflugzeug Preis: Was kostet der Kauf wirklich?.
  • Grob Aircraft SE (Tussenhausen-Mattsies): seit 1971 Segel- und Trainingsflugzeuge, unter anderem der Motorsegler G 109.
  • Scheibe Flugzeugbau (Dachau): bekannt für die Falke-Serie der Motorsegler (SF 25, SF 28, SF 34).
  • Sportflugzeugbau JUBI (Oerlinghausen): Holz- und Gemischtbauweise, unter anderem Lizenzbau der ASK 13.

Österreich und Schweiz

In Österreich fertigt Diamond Aircraft Industries in Wiener Neustadt mit der HK 36 (Super Dimona) einen weit verbreiteten Motorsegler und produziert mittlerweile auch in Kanada und China. HB Brditschka aus Haid stellt mit HB 3 BR und HB 21 ebenfalls Motorsegler her. In der Schweiz baute Pilatus Aircraft in Stans mit der PC-11 (auch als B4 bekannt) ein Ganzmetall-Segelflugzeug, das vor allem als Trainingsflugzeug diente.

Frankreich, Italien, Spanien und Osteuropa

Frankreich hat trotz einer langen Segelfluggeschichte – von René Fourniers RF-Reihe bis zu den Lizenzbauten von SNCAN und SLCA/Loravia – bislang keinen durchgehend aktiven Serienhersteller. Das 2015 gegründete Unternehmen Aerotechnics will das mit Lizenzbauten der LS-Reihe und dem erklärten Ziel, erster französischer Segelflugzeughersteller zu werden, ändern.

In Italien prägten historische Namen wie Caproni Vizzola, Aeromere und SIAI-Marchetti die Nachkriegszeit; aktiv geblieben ist vor allem Alisport mit seinen Ultraleicht-Segelflugzeugen. In Spanien war die Serienproduktion immer kleinteiliger: Unternehmen wie AISA (Lizenzbau der DFS Kranich II) oder Einzelprojekte wie Felipe García Ontiveros' Gurripato II prägten eher die Frühzeit der spanischen Luftfahrt. Heute sind es vor allem Gleitschirmhersteller wie Niviuk und Windtech, die den spanischen Markt für den nicht-motorisierten Luftsport repräsentieren.

In Tschechien ergänzt Evektor-Aerotechnik die bereits erwähnte HPH-Werft, in Großbritannien war Slingsby Aviation bis 1982 im Segelflugzeugbau aktiv, bevor sich das Unternehmen auf Militärluftfahrt verlegte.

China und Japan: eine andere Marktlogik

In China entstand in den 1950er-Jahren mit polnischer Unterstützung die Shenyang Sailplane Factory; von der Jie-Fang 5A wurden bis 1978 über 1.000 Exemplare gebaut. Die Chengdu Sailplane Factory fertigte mit der Jie-Fang 5 das erste chinesische Ganz-Glasfaser-Segelflugzeug. Die staatlich geförderte Produktion diente überwiegend der Pilotenausbildung und ist heute stark zurückgegangen.

Japan hat dagegen nie eine nennenswerte kommerzielle Serienproduktion aufgebaut: Etwa 80 Prozent der dort geflogenen Segelflugzeuge stammen aus deutscher Fertigung, der Rest überwiegend aus Polen, Tschechien oder Rumänien. Kleine Enthusiasten-Projekte wie Aircraft Olympos (gegründet 1985 von Studierenden der Nihon-Universität) bilden die Ausnahme – ihr strahlgetriebener Motorsegler OpenSky M-02 orientiert sich sogar am fiktiven Gleiter „Mehve" aus einem bekannten Anime.

Eigenstart, Elektroantrieb oder reiner Segler – was passt zu dir?

Die Bandbreite der vorgestellten Hersteller zeigt: Die Entscheidung zwischen einem reinen Segelflugzeug ohne eigenen Antrieb, einem klassischen Eigenstarter mit Klapptriebwerk und einem der neueren Elektromodelle ist längst keine reine Geschmacksfrage mehr. Ein reiner Segler wie die Discus oder die ASK 21 ist günstiger in Anschaffung und Wartung, verlangt aber Schleppflugzeug oder Winde und damit Vereinsanbindung. Eigenstarter wie die DG-1001 RES oder die HPH 304 RES SHARK erlauben dir, unabhängig von Windenpersonal oder Schleppmaschine zu starten – ein Argument, das gerade für Halter ohne festen Vereinsplatz zählt. Bevor du dich für eine Antriebsart entscheidest, lohnt sich außerdem ein Blick auf deine Lizenzsituation: Welche Anforderungen SPL und LAPL(S) konkret stellen, welche Kosten anfallen und wie die 24-Monats-Regel funktioniert, erklären wir ausführlich im SPL-Lizenz-Artikel auf segelfliegen.pro. Und falls du noch am Anfang stehst: Was das Fliegen im Verein laufend kostet – Jahresbeitrag, Startgebühren, Eigenleistung – haben wir separat im Artikel Kosten Segelflug im Verein: Was du wirklich bezahlst durchgerechnet.

Häufige Fragen

Welcher Hersteller baut die meisten Segelflugzeuge?

Zusammen kommen Schempp-Hirth, DG Aviation, Allstar PZL Glider und Alexander Schleicher auf über die Hälfte der weltweiten Produktion. Nach Stückzahl produzierte 2024 jedoch die südafrikanische Werft Jonker Sailplanes am meisten Flugzeuge eines einzelnen Herstellers.

Gibt es schon serienreife Elektro-Segelflugzeuge?

Ja. Modelle wie die Antares-Reihe von Lange Aviation, die HPH 304 RES SHARK, die SZD-55-2 Nexus-e-motion von Allstar PZL Glider oder die Silent 2 Electro von Alisport zeigen, dass elektrische Eigenstart- und Sustainer-Antriebe längst am Markt angekommen sind.

Warum sitzen so viele Hersteller in Deutschland?

Deutschland hat eine über hundertjährige Segelfluggeschichte, die bereits in den 1920er-Jahren auf der Wasserkuppe begann. Die dort entstandene Ingenieurstradition und die früh etablierten Vereinsstrukturen erklären, warum bis heute ein großer Teil der Weltproduktion aus deutschen Werften wie Schempp-Hirth, DG Aviation oder Alexander Schleicher stammt.






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